Ein plötzliches Pfeifen oder Rauschen im Ohr trifft viele Menschen völlig unerwartet. Oft beginnt es in einem ruhigen Moment – am Abend im Bett, nach einem stressigen Tag oder scheinbar ohne erkennbaren Anlass.
Im ersten Moment steht meist die Frage im Raum: „Was ist das – und geht das wieder weg?“
Wenn das Geräusch bleibt, verändert sich die Situation. Viele Betroffene merken, wie ihre Aufmerksamkeit immer wieder dorthin wandert, wie Stille plötzlich unangenehm wird oder wie das Einschlafen schwieriger wird. Mit der Zeit entsteht nicht nur das Geräusch selbst, sondern auch eine zunehmende innere Anspannung im Umgang damit.
Was ist Tinnitus?
Tinnitus bezeichnet die Wahrnehmung eines Geräusches ohne äußere Schallquelle. Häufig beschrieben werden:
- Pfeifen, Rauschen oder Summen
- hochfrequente Töne
- einseitige oder beidseitige Geräusche
- schwankende Lautstärke oder Intensität
Entscheidend ist: Das Geräusch entsteht nicht „im Ohr allein“, sondern im Zusammenspiel von Hörsystem, Gehirn und Nervensystem.

Wenn Tinnitus belastend wird
Nicht jeder Tinnitus ist automatisch problematisch. Entscheidend ist, wie stark er wahrgenommen wird und wie sehr er den Alltag beeinflusst.
Viele Betroffene berichten über:
- ständige gedankliche Fixierung auf das Geräusch
- Schlafstörungen
- Konzentrationsprobleme
- innere Unruhe oder Anspannung
- zunehmende Erschöpfung
- Angst („Geht das jemals weg?“)
Gerade diese Kombination aus Wahrnehmung und emotionaler Bewertung verstärkt oft die Belastung.

Mögliche Ursachen und Einflussfaktoren
Tinnitus hat selten eine einzelne klare Ursache. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen:
HNO-Bereich (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde)
- Hörsturz oder Lärmschädigung
- Mittelohrprobleme
- altersbedingte Hörveränderungen
Neurologische Faktoren
- veränderte Verarbeitung von Hörreizen im Gehirn
- Überaktivität bestimmter Nervennetzwerke
Orthopädische Einflüsse
- Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
- Probleme der Halswirbelsäule
- Kiefergelenksbeschwerden
Psychische und stressbezogene Faktoren
- anhaltende Belastung oder Stress
- Angst oder innere Anspannung
- Schlafmangel
Diese Faktoren können sich gegenseitig verstärken – und dazu führen, dass ein ursprünglich harmloser Tinnitus zunehmend störend wird.

Warum eine interdisziplinäre Abklärung wichtig ist
Tinnitus ist ein gutes Beispiel dafür, dass mehrere Systeme beteiligt sein können. Eine sinnvolle Abklärung umfasst daher oft mehrere Fachrichtungen:
- HNO zur Beurteilung des Hörorgans
- Neurologie zur Einordnung der zentralen Verarbeitung
- Orthopädie bei muskulären oder wirbelsäulenbedingten Faktoren
- Psychiatrie zur Einschätzung von Belastung, Schlaf und Stress
Ziel ist es, behandelbare Faktoren zu erkennen – und gleichzeitig ein realistisches Gesamtbild zu entwickeln.

Behandlungsmöglichkeiten – realistisch und individuell
Es gibt keine „eine“ Therapie, die bei allen Betroffenen den Tinnitus vollständig verschwinden lässt.
Aber: Es gibt viele Möglichkeiten, die Belastung deutlich zu reduzieren.
Je nach Situation können sinnvoll sein:
- Behandlung von Hörstörungen oder HNO-Erkrankungen
- physiotherapeutische Maßnahmen bei Nacken- oder Kieferproblemen
- medikamentöse Unterstützung (z. B. bei Schlafstörungen oder starker Anspannung)
- Hörtherapie oder Tinnitus-Retraining
Psychosomatische Perspektive – oft entscheidend
Ein zentraler Punkt in der Behandlung ist die Frage:
Wie reagiert das Nervensystem auf das Geräusch?
Hier setzt die psychosomatische Physiotherapie und psychotherapeutische Begleitung an:
- Reduktion der inneren Anspannung
- Verbesserung der Körperwahrnehmung
- Regulation von Stressreaktionen
- Umgang mit Aufmerksamkeit und Bewertung des Geräusches
Viele Betroffene erleben, dass der Tinnitus weniger in den Vordergrund tritt, sobald das Nervensystem insgesamt ruhiger wird.

Psychosomatische Perspektive – oft entscheidend
Ein zentraler Punkt in der Behandlung ist die Frage:
Wie reagiert das Nervensystem auf das Geräusch?
Hier setzt die psychosomatische Physiotherapie und psychotherapeutische Begleitung an:
- Reduktion der inneren Anspannung
- Verbesserung der Körperwahrnehmung
- Regulation von Stressreaktionen
- Umgang mit Aufmerksamkeit und Bewertung des Geräusches
Viele Betroffene erleben, dass der Tinnitus weniger in den Vordergrund tritt, sobald das Nervensystem insgesamt ruhiger wird.

Unser Ansatz
Wir betrachten Tinnitus nicht isoliert, sondern im Zusammenhang von:
- Körper
- Nervensystem
- und psychischer Belastung
Unser Ziel ist es,
- mögliche Ursachen sorgfältig abzuklären
- die individuelle Situation verständlich einzuordnen
- und gemeinsam Strategien zu entwickeln, die im Alltag tragfähig sind
Ein Tinnitus muss nicht „einfach ausgehalten“ werden.
Auch wenn er nicht immer vollständig verschwindet, kann der Umgang damit deutlich leichter werden – und damit auch die Lebensqualität.
Neurologie:
Dr Stefan Greisenegger
Psychiatrie:
Dr. Paul Michenthaler
Dr. Andreas Müller
Dr. Juraj Simovic
Dr. Beate Schrank
Dr. Simon Donat
Psychotherapie:
Johannes Engler
Zsuzsanna Brandstätter
Andrea Gföller BSc MSc
Mag Sandra Schranz
Mag. Severin Kukla
Emily Ferchner
Psychosomatische Physiotherapie:
Martina Jannach